Sonntag, 18. Oktober 2015

Von Rabenmüttern und anderen Nebelkrähen 7.0

oder der Kinderkleiderflohmarkt - Kopfkasper


Wart ihr schon mal Sonntags in einer Halle eingesperrt mit 80 wühlenden Mamas, die reichlich bemüht sind in den zwei Stunden ihren täglichen Redebedarf zu decken? Hattet ihr schon mal Schweißperlen auf der Stirn, nur weil ihr in der zweiten Reihe am Tisch mit der Konfektionsgröße 134  standet und vor euch eine Mama ein "Hello Kitty" Glitzeroberteil an sich nahm...? Wurdet ihr schon mal eingequetscht zwischen Einkaufskörben und vorwärtsdrängenden Frauen durch eine 1 meter breite Tür geschoben und konntet den Boden unter euren Füßen nicht spüren?

Wenn nicht, dann wart ihr noch nie auf einem Flohmarkt für Kinderkleidung. Allen Anderen wird es bekannt vorkommen.

Die Flohmärkte gehen wieder los und mit dabei sind wir lieben Mamas ganz Vorne. Die verschiedenen Flohmarkteinkäuferinnen würde ich euch gerne etwas näher bringen.




Die 7 Flohmarkttypen:

Die Unentschlossene

"Brauch ich das wirklich?" Lange hält die Unentschlossene ein Kleidungsstück in die Höhe und legt dabei den Kopf meist schräg. Begleitet werden ihre Zweifelsfragen oft von einem "Mhmmmmhhh..."
Hierbei blickt sie oft ins Leere oder ins Gesicht der Dame hinter dem Flohmarktstand.
Es scheint, als erhoffe sie sich hierbei, dass man ihr die Entscheidung abnehmen würde. Brauche sie dieses Oberteil in Größe 110 wirklich noch für ihren Sohn oder hat er bereits mit 12 Pullovern das Soll für diesen Winter erfüllt. 
Mit einem "Ich weiß nicht" wird das gute Stück dann zurück gelegt, wobei der Verkäuferin in dieser Zeit mindestens 5 Kauf interessierte Damen durch die Lappen gegangen sind, da die Unentschlossene den Stand und auch das Kleidungsstück blockierte.

"Ich komme später noch einmal vorbei!"Ist dann das liebevolle "Nein danke!" Und sie irrt wieder unbeholfen von Verkaufsstand zu Stand, um die Kleidungsstücke mit ihren Rehaugen zu hypnotisieren. Es beschleicht einem das dringliche Verlangen die gute Dame an der Hand zu nehmen und ihr zu helfen.


Die Etikettensucherin

Mit einem Handgriff gelingt es der Etikettensucherin in windeseile die Wasch- und Beschaffenheits- Schildchen in den Kleidungsstücken hervor zu popeln. Besonderer Augenmerk gilt hier der Bekanntheit des Labels, so wie der Zusammensetzung des Textils. 
Erst wenn beide Punkte die Sucherin zufrieden gestimmt hat, geht es daran das Kleidungsstück auf Löcher, Flecken und Optik zu untersuchen. Meist geschiet das mit einem Kennerblick und zusammen gekniffenen Augen. 
So schnell wie das Etikett hervor gepuhlt war, so schnell wird dann auch eine Entscheidung gefällt.
"Ja, gefällt, wie viel?" Um das Wissen, der Marke und der Zusammensetzung des Produktes ist die Sucherin sich oft des hohen, aber dennoch angebrachten aufgerufenen Preises bewusst und bezahlt diesen souverän. 

Die  "Zu-Kurz-Kommende" 

In der Schlange steht sie zu erst und hat ausgefahrene Ellenbogen. Die Augen schießen wild umher oder verweilen zeitweise starr auf ihrem Ziel.
Fällt der Startschuss zum Einlass stürmt die "Zu-Kurz-Kommende" wie eine wilde Löwin an den Basartisch und stopft wie von Sinnen jedes Kleidungsstück in ihre XXL-Schweden-Tasche.
Erst wenn diese gefüllt und der Tisch halb leer gegrast wurde, verzeiht sie sich mit ihrer Beute in ein stilles Eckchen und beginnt sie akribisch nach Häufchen zu sortieren. "Ja" ,  "Nein"  und "Vielleicht" sind dann die 3 Stapel, die die  "Zu-Kurz-Kommende" umringen, während sie in ihrem Kopf die Preise kalkuliert. Der "Ja" Haufen verschwindet prompt in der XXL-Schweden-Tasche, wobei der "Nein" Stapel wieder lieblos den restlichenen Suchenden hinzugeführt wird. 


Die Durchplante

an ihrem Ärmchen baumelt ein kleiner Einkaufskorb und in der anderen Hand hält sie eine kleine Liste. Auf dieser Liste hat die "Durchplante" sich schon vorab notiert, was und in welcher Größe ihre Kinder von dem Basar benötigen. Mit Scheuklappen bahnt sie sich ihren Weg durchs Getümmel, um dann in dem geeigneten Moment präzise zu zuschlagen und den Schnapper des Abends zu erhaschen.
Preise handelt sie stets fair und wirkt zufriedenstellend, wenn sie mit der genauen Anzahl der gewünschten Kleidungsstücken in ihrem Korb den Saal verlässt.


Die Spontane

"Eigentlich suche ich ja gar nichts speziell!" ist der Schlachtruf der Spontanen. Auf Flohmärkten umrundet sie schon zum x-ten Mal den Stand nach DEM Kleidungsstück, das ihr ins Gesicht springt.
Dadurch, dass ihr Verstand auf kein bestimmtes Merkmal geprägt ist, scannt ihr Blick die Kleidung erstlinig nach Muster. Hat sie ein ihr beliebiges Objekt ausfindig gemacht, greift sie beherzt zu und zahlt es mit einem glückseeligen Lächeln im Gesicht.
Obwohl sie ohne Kaufabsicht gekommen war, schleift sie eine große Menge an Beute und laut ihr betitelte "Lieblings-Teile" nach Hause. Besonders erfolgreich war ihre Jagd an den Tischen, nachdem die "Zu-Kurz-Kommende" ihre ungewollte geraffte Beute wieder unter das Volk mischte.
Ihr außergewöhnlicher Geschmack lässt sie meist außer Konkurrenz bei solchen Veranstaltungen.


Die Schnäppchen-Mutti

Ihre anfängliche Haltung, die der Unentschlossenen sehr nahe kommt, in dem sie kein wirkliches Kaufverhalten zeigt, weicht der penetranten Art - egal, wie niedrig der preis bereits angesetzt wurde, es möglichst noch billiger zu bekommen.
Ihr missbilligender Blick gegenüber den Kleidungsstücken, welche noch vollkommen in Ordnung zu scheinen, verraten dir, dass sie nichts dafür zahlen will. "Wieviel?" Und auf die Antwort, dass die Hose einer jungen Modekette noch 1,- kosten solle, kann die "Schnäppchen-Mutti" nur mit einem Augenaufriss reagieren. Ein Euro... schon ziemlich viel. "Geht es auch billiger?" Und es scheint ihr nicht einmal peinlich. Bei keinem Entgegenkommen der Verkäuferseite, lässt die Schnäppchenmutti das Kleidungsstück liegen, denn so nötig hat sie es ja nicht!


Die QuatschTante

Noch bevor die Quatschtante einen Stand betritt, kontaktiert sie schon ihr Zielperson mit Blicken und einem lieben Lächeln. Sie schafft plötzliche Vertrautheit, als würde man eben die Nachbarin zum Nachmittagsplausch am Gartenzaun treffen.
Obwohl man diese Vertrautheit manchmal garnicht will, schafft die Quatschtante es innerhalb von 10 Minuten dir alles über ihre Kinder/Enkelkinder/Freundeskinder/Nichten/Neffen zu erzählen, was ihre Umwelt natürlich brennend interessiert. Es ist ihr auch kein peinliches Detail zu schade. Ihr Gequassel kommt ihr bei der Preisdiskussion der erworbenen Teile nur zu Gute. Bereitwillig macht der Verkäufer der Quasseltante einen besonders guten Preis, um möglichen langwierigen Konfrontationen aus dem Weg zu gehen. Frohen Mutes kann die Quasseltante so ihren Rededrang an unschuldigen ausleben und tut so noch etwas für ihren Geldbeutel.


Vielleicht hat die ein oder andere sogar sich selbst wieder gefunden und nickt nun eifrig. Oder ist vielleicht schon selbst an diversen Flohmarkt-Mama-Typen verzweifelt :-)

Also erzählt mir doch mal von eurem lustigsten / dreisten / schönsten Flohmarkt - Erlebnis.

DanniHanni

Kommentare:

  1. Amüsant geschrieben :-) Ich vermeide Flohmärkte und verkaufe über Kleinanzeigen, das ist definitiv weniger anstrengend :-)

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  2. Genial geschrieben :) man erkennt sich voll wieder... Wenn man die Geschichten alle zusammenpasst kommt bestimmt ein Buch bei raus

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  3. Klasse. Ich glaube da erkennt sich jede ein bischen wieder. In deiner Aufzählung fehlt noch die Mann und Kind/er mitschleppende Mutti, die bei jedem Teil den Nachwuchs bzw. den Gatten konsultiert: na, was meint ihr? und daraufhin ein Achselzucken des Mannes und ein Augenrollen des Kindes kassiert.

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    1. Hahahaha. Stimmt. :) die Flohmarkt als Familienausflug Nutzerin.

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