Sonntag, 28. Juni 2015

Von Rabenmüttern und anderen Nebelkrähen 5.0



"Willkommen in meinem chaotischen Heim"

Der kleine gelbe Zettel klebt an einer weißen Eingangstür.
Beim Betreten fällt man über gefühlte 50 Paar Schuhe und fragt sich, wieviel Kinder
hier wohl wohnen und ob die Chucks in Schuhgröße 36 der Mutter gehören oder 
einer Teenie-Tochter.
Die Wohnungstür ist reichlich zerkratzt und dahinter bellt ein Hund wie von Sinnen.

"Muss ich da rein?!", fragt man sich zwangsläufig und atmet tief durch, bevor man
die Türklinge hinunter drückt.
Das Gebell verschwimmt in ein Gewinsel und Gejaule der Freude und der Hund legt einen 
Sprint von Wohnungstür zur Kühlschranktür hin. Und hin und zurück und hin und zurück.
Ganz niedlich aber irgendwann hat man es müde und wendet sich zum Wohnzimmer.

Und... "Oh mein Gott! Saugen diese Leute nicht, hier sind ja überall Hundehaare..
der ganze Boden, voller Haare...." man bleibt stehen und fragt sich, ob man so lebensmüde
ist und diesen Raum nur mit Socken betritt.. mit Schuhen? Barfuß?

Lieber draussen bleiben, das Sofa, dessen Kissen alle auf dem Boden liegen, läd eh nicht zum Verweilen ein. Nahaufnahme der zerwühlten Kissen ... Hundehaare... Zoooom! 
Innehalten, Gruseln. Weiter gehts.

Die Küche verspricht nicht mehr. Hat hier eine Müslischlacht statt gefunden.. und wenn ja, wer war das Opfer? Und das Wichtigste? Gibt es Überlebende? 
Wenn ja, wären sie letzendlich im halben Liter Milch ertrunken, der den Tisch runtersifft.

"Oh man, hausen hier etwa Wilde?" 

Im Bad ein gewohnter Anblick einer Klopapierschlange, die geschätzte 10  Meter misst
 und grade dabei ist von der Wandhalterung zu springen,

Man sollte besser die Tür schließen und die Treppen hinauf gehen in die Kinderzimmer.
Dort bleibt man im Türrahmen stehen und bricht in Tränen aus, wie die Zimmer
nur so lieblos gestalten worden sind und die Möbel alle keinen festen Platz haben.
Überall Kleidungsstücke auf dem Boden liegen und dort hinten in der Ecke zusammengeknäultes... Was auch IMMER! Oh nein, wie grausam... wie lieblos... 
Wo ist hier nur die Supernanny..

Das wären wohl die Bilder und Momente meines Frauentausch-abspannes, falls 
ich wirklich jede Achtung vor mir verlieren sollte und mich bei einem solchen Format
bewerbe.

Es würden dann Schlagzeilen eingeblendet wie:

"Mount Washmore and the never ending Story!"

und 

"Täglich grüßt das Murmeltier!"

Unzähliche Nahaufnahmen der alltäglichen Schockmomente!

  Bamm, Bamm, Bamm!
Tööörööööö...

Der Staubsauger ist an meiner Hand festgewachsen. Oder vielmehr, ich habe ihn den ganzen Tag
in der Steckdose neben der Küche eingesteckt, so dass ich bequem von Küche zu Wohnzimmer 
gelange zwecks Krümel, Krümel, Sand... noch mehr Sand und HAAAARE.
Massenweise Hundehaare...
Meine Staubsaugerbeutel kann man quasi als 100% Cashmeredog verkaufen. 
So fluffig und weich...

Mindestens 3 mal ertönt das "wuuuhuuuuuu" des Staubsaugers und 
mindestens 10 mal wische ich über den Esstisch. Müsli, Butter, Joghurt, Nudeln, Wasserfarbe...
Wisch Wisch Wisch.... (ich glaube die obere Lackschicht ist schon ab!)
Ich belade die Waschmaschine mit den Klamotten, die ich bereits vor 3 Tagen schon
in der Hand hatte. Wieder mal schmutzig und es nimmt kein Ende.
Mount Washmore lässt grüßen!

Ich jodele von ihm ins Tal herab und rodele den steilen Abhang hinab, um  das Baby von den Tomtane weg zu ziehen. Es stopft sich voller Genuß eine Hand voll Erde in den Mund und grinst.
Süß... 
(und ja, ich habe tatsächlich Tomaten eingepflanzt. Und ich schaffe es, sie zu gießen.
Ohmann, ich bin Supermama - oder? Zumindest fühle ich mich so, während ich im Eiltempo
mehrere Kilometer in meinem Zuhause zurücklege. Und mich frage, ob so ein Cape nicht ganz schön fetzen 
würde :-) Tatatataaaadaaa...)

Egal wie schnell ich bin, egal wie gut ich bin, egal wie ordentlich ich bin...
Irgendwann macht es PUFF und alles war umsonst!
Supermama siegt jeden Abend bevor sie ins Bett geht, doch erwacht
mit einer Niederlage, dass in der Nacht kleine Wesen
den gesamten Staubsaugerbeutel entleert, Kleidung aus dem Schrank gerissen
und Joghurt verschmiert haben.

Zudem stellt sich die Frage, ob mein Hund eines Morgens nackt auf seiner Decke liegt..
so wie er haart, müsste das bald der Fall sein - Mhm, ich mag keine Nackthunde!

Es geht also wieder los und ich höre mich wie sooft sagen "Ich muss nur noch.. 

den Tisch abwischen

eine Waschmaschine anmachen

die Wäsche in den Schrank legen

das Wohnzimmer saugen

die Kissen aufschütteln

Ich muss nur noch meinen Kaffee trinken, bevor er kalt wird


Und ich verbanne den Zwang aus meinem Alltag


Ohmann, und meine Laune sinkt auf Null! Ich muss.. Nein,
es gibt nur eines was ich MUSS - Nämlich das Wort "Muss" aus meinem Kopf
verbannen!

- Ich gehöre zu den Menschen, die sich lange einreden müssen, dass ihnen etwas Freude
bereitet und Zack flutscht es wie von selbst. z.B. Früher in der Schule Chemie...
wer mag schon Chemie?
Ich jedenfalls nicht und so quälte ich mich mit ach und krach zwischen den Noten
3 bis 4 durch meine Schulzeit.
Bis hin zur Oberstufe. Da fand ich beim Lernen heraus,
dass ich mir selbst vorschauspielern musste, ein Chemie-Nerd zu sein
und plötzlich konnte ich sogar Freude daran empfinden
Formeln zu lernen und verstehen!

Diese Theorie funktioniere auf jedes Fach angewandt und so verwandelte ich mich
von dem "Mathe 6"-Schüler zum Klassenstreber und "1- Kandidaten".

Kurz und knapp: 

Wir müssen Dinge 
nur anders formulieren lernen
 in unserem Kopf!

Dann erscheint es nicht mehr wie eine Qual.


Zum Beispiel : 

Ich möchte nur noch den Tisch abwischen,
weil ich mich gerne mit euch an einen sauberen Tisch nacher setzen möchte.

Ich möchte noch die Pferde füttern fahren, 
weil es mir seelisch gut tut, eine Auszeit zu haben.

************

All diese Dinge (Alltäglichen Zwänge) klingen nun positiv. Und wir sollten sie kombinieren
mit Auszeiten, die wir bewusst genießen und auf uns wirken lassen.

Verbannt das Smartphone bis zur Abendszeit und fotografiert damit nicht jeden
Moment eures Lebens. Ich habe angefangen, diese Bilder in meinem Kopf zu speichern.

Denn dort berühren sie mein Herzen.

(Ich sehe so viele Menschen, die Schulauftritte, Einschulung und und und auf ihrem Handy aufnehmen,
dabei betrachten sie die Situation nur noch durch ihr Display und sehen dabei
gar nicht das Wesentliche. All die Kleinigkeiten die diesen Moment ausmachen.Versucht es mal. 
Es stimmt wirklich.)

<3-lichst DanniHanni

P.S. Habt ihr einen ultimativen Tipp, wie man im Haushaltschaos
den Glauben nicht verliert??? :-)

Kommentare:

  1. Oh ja wie war! Ich halte mich wenigstens meist an das "susisauber" Programm (naja zumindest das alltägliche dieZusatzaufgaben fallen meist unter den Tisch) so hab ich weniger Zwänge weil ich es als Rhythmus versuche einzubauen. Das klappt meist gut. Trotzdem gibt es solche Tage wo man denkt ist das mein Zu Hause?!? Dann gehe ich meist ne Nachbarin auf nem Kaffee besuchen und sehe dort sieht es keinesfalls besser aus! Schwups geht es mir besser und das saugen schnellervon der Hand zu Hause angekommen! Lg Martina

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    1. Die Flucht-Strategie ist gut. Die mach ich auch oft. Und atme dann entspannt durch...

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  2. Ich mag euren Blog sehr, manchmal lese ich ihn nicht ganz ohne Neid...wie schaffen die das nur. Mein Vollzeitjob ist 6 und 5 Jahre alt, 1200 qm außen und 180 qm innen...und abends fühl ich mich als totalen Versager....
    Wenn man dann all die Superhausfrauen-Mütter sieht alles sauber und ordentlich aus, die Mütter sind überall aktiv dabei (Schulfeste, Vereine....) wenn meine Kinder dann mal in diesen Superhaushalten zum Spielen waren und nach Hause kommen, bröckelt so manche perfekte Idylle....bei denen darf man nuuuur im Kinderzimmer spielen und nuuuuur mit einer Sache...und die Mama hat gar keine Zeit zum Spielen...die gucken immer nur Fernseh....
    Das sind die Tage an denen ich denke, ich habe 24 Stunden am Tag Zeit für meine Kinder, den Kindergarten lassen wir aus, meine Kinder sind trotzdem optimal auf die Schule vorbereitet. Wenn andere ihre Meinung kundtun, du brauchst aber doch auch mal Zeit für dich...Meine Kinder sind meine Zeit, und ausserdem können sie sich durchaus auch alleine gut und sinnvoll beschäftigen. An diesen Abenden schlafe ich sehr gut, trotz Wäscheberge, schmutzigem Fussboden, Unkraut im Garten...
    An die Nähmaschine komm ich zur Zeit zwar sehr wenig...aber zum Glück gibt's auch noch Bekleidungsgeschäfte....
    Meine Devise: Perfekt sein ist langweilig, das Glück liegt im geordneten chaos.

    Macht bitte weiter so....ihr seid ein Teil meiner Alltagsflucht....

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    1. Danke für diesen liebevollen Kommentar.

      Ganz ehrlich?!?! Ein Blog ist nur eine Kulisse. Eine Momentaufnahme. Und alles wirkt harmonisch, perfekt.... und seufz... auch will. Man bekommt vorgehalten, wie einfach alles ist und dass man immer mit einem Lachen rumläuft.

      Aber das ist nicht so. Ich lad jeden gerne ein der sehen mag, wie ich struppig morgens rumlaufe, den Boden fluchend wische, entnervt zum 5. mal Nudeln in der Woche koche oder Abends aufs Sofa sinke und mein Hirn sagt ,tooot, Erlösung durch Fernsehberieselung. :)

      Und damit Niemand denkt wir wären Supermamas... lassen wir gerne tief blicken in die Abgründe des Alltags. Unsere Devise : einer heult immer oder besser : mamaaa maaamaaaa maaaaamaaaa ... papa sagt: du kannst auch mich fragen. Gut, wo ist mama?!

      LG Danni

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  3. :-) :-) :-) *schwitz* Wann warst du denn bei mir zu Besuch? ;-)
    Bei mir sind es zwar 3 Kinder und ein paar Schuhe weniger, aber der Boden und der Esstish sehen wohl genauso aus. Nach der Arbeit den Kleinen abholen, dann raus mit der Hündin, dann Essen kochen, Spatz ins Bett, Haushalt... Jeden Abend das gleiche Programm, nichts zusätzliches. So komm ich ganz gut durch und schaff sogar hin und wieder mal eine Näharbeit ohne über der Maschine einzuschlafen. ;-P Am Wochenende geht's dann aber ins Detail. Was muss, dass muss. Super perfekt ist das nicht, aber wir drei fuhlen uns wohl. Perfekt ist ja langweilig. VIELEN DANK! für euren Beitrag. ♡ Schön, dass es auch bei anderen so aussieht. ;-)

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