Dienstag, 23. September 2014

Wir sind in der Zeitung

Undzwar in der "neuen fricktaler Zeitung".

Letzten Donnerstag kam eine nette Dame und fragte mich eine Stunde lang nach meinem Leben, meiner Inspiration und meiner Arbeit und alles, was dazugehört. Dieser Artikel ist dabei herausgekommen.

Und der Text ist folgender:



„Nähen ist mein  Yoga“

Das Leben ist die Inspiration, mit der Annika Wagner aus dem Vollen schöpft

Annika Wagner aus Wöflinswil ist ein Beispiel für gelebte Integration. Vor zwei Jahren tauschte die gebürtige Frankfurterin die hessische Großstadtluft gegen das idyllische Schweizer Dorfleben. Heute singt sie mit Begeisterung im örtlichen Jodlerchörli, gibt Nähkurse bei den Landfrauen und fühlt sich mit ihrer Familie in der neu gewonnenen Heimat pudelwohl.

WÖLFLINSWIL. Der Liebe wegen kam Annika Wagner  in die Schweiz. Als sie ihrem Mann Roland Wagner das erste Mal begegnete, lebte sie unweit von Frankfurt im Umfeld der Großstadt. Auf der Hochzeit ihrer besten Freundin Daniela lernten sie sich kennen. „Bei der dritten Begegnung hat es endgültig gefunkt“, erzählt Annika Wagner. Damals war gerade ihr kleiner Sohn Baldur zur Welt gekommen, die Beziehung zum Vater gescheitert.  Gemeinsam suchte sich die kleine Familie ein Heim und fand es auf dem Hotzenwald  in  Görwihl. „Das war nah genug zur Arbeitsstelle meines Mannes in Laufenburg“, erklärt Annika Wagner.  2011 kam dort die gemeinsame Tochter Mathilda zur Welt. „Wir hatten ein schönes Heim in Görwihl“, erzählt Annika Wagner. Dennoch reifte bald der Gedanke, zu seinen Eltern in die Schweiz zu ziehen. Einmal aus finanziellen Gründen, denn ihr Mann  wollte sich beruflich weiterentwickeln. Der Umzug ins das Haus seiner Eltern ermöglichte ihm das Studium der Physik. Aber auch der soziale Aspekt habe eine Rolle gespielt, erzählt die heute 26-Jährige. „Hier ist mein Mann aufgewachsen und jeder kennt jeden“, sagt sie. Es gäbe genügend Vereine, um Anschluss im Dorf zu finden. Allerdings sei das mit  drei Kindern sowieso kein Problem. Söhnchen Florin ist mittlerweile eineinhalb Jahre. „Er ist hier zu Hause auf die Welt gekommen“, sagt sie und zeigt auf das gemütliche Sofa im Wohnzimmer. Gleich daneben zeugen zwei Schaukelpferde und Spielsachen davon, dass hier Kinder zuhause sind. Mutter zu sein ist für die junge Frau, die eigentlich „soziale Arbeit“ studieren wollte, etwas sehr Erfüllendes. „Jetzt habe ich meine soziale Arbeit hier zu hause“, schmunzelt sie. Der Familie gilt Annika Wagners ganzes Augenmerk. Fast jedenfalls. Denn wann immer sie Zeit findet, gibt sich die junge Frau ganz und gar ihrer großen Leidenschaft hin: Dem Nähen. Das rührt von ihrer Oma her.  „Sie strickt seit Jahrzehnten sehr exzessiv – Pullis, Jacken, Socken“, schildert Annika Wagner. Genauso verhält es sich bei ihr selbst mit dem Nähen. Schon als Kind war sie mit Nadel und Faden zugange. Hat ihren Kuscheltieren Kleider genäht -  einfach so aus dem Kopf heraus. „Ich bin Autodidakt, ich muss alles selbst erfinden“, sagt sie. Die Ideen kommen  manchmal ganz spontan, manchmal reifen sie über Tage hinweg.  Und dann näht sie, was in ihrem Kopf ist. Jeden Abend verbringt sie zwei bis drei Stunden an der Nähmaschine, während ihr Mann fürs Studium lernt.  „Wir sind dabei zusammen“, sagt sie. Annika Wagner näht für ihren Mann, für die Kinder, für  Verwandte, für Freunde und für  sich selbst. „Nähen ist mein Yoga“, lacht sie. Nähen ist keine Arbeit für sie, im Gegenteil, jedes fertige Kleidungsstück erfüllt sie mit Stolz. Diese Kreativität auszuleben, sei wunderschön. Das Knowhow  holte und holt  sie aus dem Internet. „Die Fülle an Lernmaterial dort ist gigantisch“, sagt sie. Schnittmuster benutzt sie höchstens als Grundgerüst, verändert die Details in ihrem Sinn. So auch bei den Oberteilen, die sie für das Jodlerchörli genäht hat. Seit einem Jahr jodelt sie in der 15-köpfigen Gruppe, die sie spontan in ihren Reihen aufgenommen hat. „Ich habe schon immer in Chören gesungen“, sagt Annika Wagner. Das mangelnde Schwyzerdütsch sei dabei kein Problem. Heute ist sie voll integriert im Jodlerchörli. Als der Wunsch nach einem neuen Outfit laut wurde, nähte sie für ihre Jodlerkollegen spontan innovative Oberteile. Die Shirts mit einer Passe aus Edelweisstoff, extra langen Bündchen beziehungsweise Manschetten und mattsilbernen Knöpfen in Edelweiß-Optik sind richtig pfiffig und vereinen Tradition und Moderne. Ebenso kreativ  sind die von ihr entworfenen Babyschühchen aus Bio-Leder und die waschbaren Stoffwindeln für Kinder mit einem saugfähigen Fließ aus Hanf. Sie sehen aus wie Pampers und wachsen mit. Rund 1000 Franken lassen sich pro Kind einsparen, wenn man auf Stoffwindeln zurückgreift, hat sie ausgerechnet. Ein Annika Wagner-Original ist auch die Babytrage, die sie als E-Book übers Internet anbietet. Darin enthalten ist ein Schnittmuster und eine 50-seitige Fotoanleitung zum selber schneidern. Ganz viele Tipps von Annika Wagner gibt es auch im „Mama Nähblog“. Hinter diesem Internettagebuch rund ums Nähen stecken Anni-Nanni (Annika Wagner) und ihr Freundin Daniela (Danni-Hanni). Die lebt  im Taunus und via Internet-Blog haben beide irgendwann angefangen, sich gegenseitig zu zeigen, was sie gerade so genäht haben. „Wir hatten ziemlich schnell hohe Zugriffszahlen“, erzählt Annika Wagner. Seither nutzen sie die grosse Inspirationsquelle Internet, um ihr Wissen an andere weiterzugeben. „Dank unzähliger Internettutorials bin ich eine gute Näherin geworden“, sagt Annika Wagner. Da fühle sie sich einfach verpflichtet, ihre Erfahrung und ihr Wissen ebenfalls weiterzugeben. Das tut sie mittlerweile auch bei den Landfrauen Wöflinswil, wo sie kürzlich ihren ersten Kurs „Pumphosen für Kinder selber nähen“ angeboten hat.  (hsbs)

Kommentare:

  1. Toller Artikel! Da kannst du wirklich Stolz drauf sein. :-)
    Liebe Grüße Jessica

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  2. Was für ein toller Bericht! Klingt fast wie im Märchen, dabei war es bestimmt nicht immer einfach. Schön ein bisschen mehr über Dich zu erfahren Anni-Nanni :)
    Ganz liebe Grüße aus Bremen
    Kirsten

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    1. Danke für die lieben Worte. Nein, klar liest sich der Bericht schöner als die REalität ist, aber wer will schon lesen, dass im Winter bei 5 Familienmitgliedern dauerhaft mindestens eines krank ist. Oder sowas in der Art :)

      Liebe Grüße Annika

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  3. Hallo Annika,

    das ist ja ein wunderbarer Artikel über dich und deine Arbeit, wirklich toll. Macht weiter so, ihr Lieben! Schöne Grüße natürlich auch an Danni und ihre Familie.

    Deine Mama

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